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  • Melinda Pifferi

Warum ist regionale Ernährung wichtig

Aktualisiert: 15. Aug. 2022

Die Ernährung ist ein lebensnotwendiges Bedürfnis. Früher wurde das gegessen, was in der Region zu finden war, heutzutage ist dies jedoch anders: Durch die technischen Entwicklungen, wie beispielsweise die neuen Formen der Verarbeitung und Konservierung der Lebensmittel, ist ein weltweiter Transport möglich. Dadurch vereinfachte sich der internationale Handel und das Angebot an Lebensmitteln aus der ganzen Welt ist in Detailhandelsgeschäften exponentiell gewachsen. Als Folge davon werden die Produktionsketten länger und unüberschaubar. Diese verursachen überflüssige und nicht nachhaltige Transporte, die dem Klima schaden.


Zurzeit sind die Schweizer Emissionen 14 Tonnen CO2eq1 pro Person und Jahr2. Zweidrittel davon stammen aus den Bereichen Wohnen, Mobilität und Ernährung, wobei letzterer den grössten Schadenanteil verursacht. Mit einem regionalen Ernährungsstil kann man die Transportdistanzen reduzieren und somit den Bereich Ernährung direkt beeinflussen.


Der Kern meiner Maturaarbeit besteht aus der approximativen Berechnung des Reduktionspotentials an CO2 Emissionen aus einer transportfreien Ernährung. Um dieses Ziel zu erreichen, ernährte ich mich zehn Wochen lang (Februar bis April 2020) ausschliesslich aus regionalen Lebensmitteln: Mit dem Velo erledigte ich den wöchentlichen Einkauf, kochte mir die einfachsten Gerichte (Gnocchi, Polenta, Spiegelei) mit den wenigen Zutaten, die in den Hofläden zu finden waren, dokumentierte und verglich diese Ernährungsweise mit meiner Gewohnten. Während dieser Zeit habe ich dabei die regionale Ernährung sehr nahe erlebt. Ich konnte feststellen, dass hinter dieser viel mehr als «nur» transportfreie Lebensmittel steckt. Klimafreundliche Faktoren wie der Wegfall der Verpackungsmaterialien und die lokale, umweltschonende Landwirtschaftsführung wirken sich ebenfalls positiv auf das Klima aus. Dazu sind regionale Produkte vor allem in den heutigen Zeiten besonders wichtig, da die Globalisierung zu absurden Warentransporten aus der ganzen Welt führt. Bei Grosshändlern stehen Gewinnmaximierung und Kostensenkung im Vordergrund. Andere Kriterien wie Qualität, Umweltschäden, externalisierte Kosten und soziale Ungerechtigkeiten in den Produktionsländern sind leider nur zweitrangig. Regionale Lebensmittel stellen die Kehrseite davon dar: Die Produktionsketten sind transparenter und überschaubarer. Des Weiteren schätzte ich es sehr, die Produzenten persönlich kennenzulernen. Bald kannten sie mich auch per Namen und es freute mich jedes Mal, mit ihnen ein Gespräch zu führen. Ich erkannte die harte landwirtschaftliche Arbeit an, was mich motivierte, auch nach meiner zehn-wöchigen Phase weiterhin dort regelmässig einkaufen zu gehen, um die lokalen Bauern zu unterstützen.






Meine Schlussfolgerungen stellten sich jedoch als Dilemma aus: Zehn Wochen lang habe ich mich zwar besonders nachhaltig und klimafreundlich ernährt, dennoch waren meine Essbedürfnisse nicht gestillt. Eine solche einschränkende Ernährung hätte ich nicht länger aushalten können. Dazu schätzte ich eine Einsparung von lediglich 2.3% der 14 Tonnen CO2eq pro Person und Jahr. Trotz aller Anstrengungen und Verzichten erreichte ich nur eine geringe Reduktion. Doch die regionale Ernährung hat weitere klimafreundliche Eigenschaften, wie der Wegfall der Verpackungsmaterialien, die in dieser Berechnung nicht miteingeflossen und berücksichtigt worden sind. Dazu kann diese auf verschiedene Weisen durchgeführt werden. Mein Fall war sehr extrem, was aber nicht zwingend der Fall sein muss. Für relevante klimafreundliche Resultate sollte man jeden Tag nachhaltig leben und nicht nur während einer kürzeren Zeitperiode. Es sollte eine permanente Lebensumstellung werden. Persönlich hat mich diese Zeit sehr sensibilisiert und die Nachhaltigkeit für mich allgegenwärtig gemacht. Ich achte nun beim Einkauf viel mehr auf die Lebensmittelherkunft. Somit resultiert meine «Ökobilanz» klimafreundlicher als zuvor und ich kann gleichzeitig mein gewohntes Leben weiterführen. Die Veränderung muss jedoch nicht unbedingt im Bereich Ernährung stattfinden, sondern jeder kann dies für sich selbst entscheiden und beispielsweise in den Transport, der Abfallentsorgung oder in der Wohnweise Einfluss nehmen. Wichtig ist, dass man aktiv und bewusst etwas tut.


Dieses Erlebnis hat mich sehr geprägt. Ich habe sehr viel gelernt; nicht nur die vielen Zahlen und Fakten, sondern auch über mich selbst. Ich habe eine neue Seite von mir entdeckt, die einen grösseren Wert auf die Umwelt legt. In Zukunft erhoffe ich mir, die Entstehung nachhaltiger Alternativen durch neue Technologien, Innovationen und Forschungen zu erleben. Die regionale Ernährung ist eine simple Massnahme, die jeder durchsetzen kann, ohne auf die gewohnte Lebensweise zu verzichten. Deshalb ist regionale Ernährung wichtig!




1 CO2eq ist eine Masseinheit zur Vereinheitlichung der wirkenden Gase, da nicht alle im gleichen Mass das Klima schaden. Beispielsweise entspricht 1 Tonne CH4 (Methan) 25 Tonnen CO2eq.


2 Bundesamt für Umwelt BAFU (2018)

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