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Quinoa, Klimawandel und Bildung: Wie eine Maturaarbeit den Blick auf Nachhaltigkeit erweitert

  • Felix Rittig
  • 20. Jan.
  • 3 Min. Lesezeit

«Was man heute nicht ändert, ändert sich morgen nimmer mehr.» Dieses Zitat begleitete mich durch meine Maturaarbeit – und es beschreibt treffend, warum ich mich ausgerechnet dem Thema nachhaltige Ernährung widmete. Der Klimawandel stellt unsere Landwirtschaft vor grosse Herausforderungen, gleichzeitig wächst das Bedürfnis nach regional produzierten, pflanzlichen Alternativen. So rückte eine Pflanze in den Fokus, die ursprünglich aus den Anden stammt, nun aber auch in der Schweiz Fuss fasst: Quinoa.


Eine Maturaarbeit zwischen Geografie, Ernährung und Zukunftsfragen

Meine Maturaarbeit – ausgezeichnet von Schweizer Jugend forscht mit dem Prädikat «Hervorragend» – verbindet zwei Aspekte, die auf den ersten Blick unterschiedlich scheinen: geografische Standortanalyse und die Entwicklung eines neuen Lebensmittels. Beide Bereiche sind im Thema Nachhaltigkeit verwurzelt.

Im geografischen Teil untersuchte ich, wo in der Schweiz heute und künftig Quinoa angebaut werden kann. Mithilfe von Klimadaten von MeteoSchweiz, Bodeneignungskarten des Bundesamts für Landwirtschaft BLW und eigenen GIS-Analysen analysierte ich alle Schweizer Gemeinden. Bewertet wurden Temperatur, Niederschlag und Bodenbeschaffenheit – sowohl unter aktuellen Bedingungen als auch in zukünftigen Klimaszenarien (RCP 2.6 und RCP 8.5).

Das Ergebnis: Besonders das westliche Mittelland, das Rhonetal sowie Teile des Tessins und Graubündens bieten ideale Voraussetzungen. Durch den Klimawandel könnten sogar zusätzliche Gebiete dazukommen – wobei sich bei stark steigenden Temperaturen auch Herausforderungen wie Hitzestress abzeichnen.



Der zweite Teil meiner Arbeit widmete sich der Frage, ob sich aus Schweizer Quinoa ein sinnvoller pflanzlicher Milchersatz herstellen lässt. Durch enzymatische Behandlung gelang es mir, eine Quinoa-Milch mit deutlich erhöhtem Proteingehalt zu entwickeln – von 0.7 g auf 1.4 g pro 100 g. Eine Umfrage mit über 150 Teilnehmenden zeigte, dass 40 % sich vorstellen können, ein solches Produkt zu konsumieren, besonders wenn es regional hergestellt wird.

Diese Resultate begleiteten mich weiter in ein Praktikum im Lebensmittelbereich, in dem ich die Rezeptur optimieren, eine Nährwertanalyse des Drinks erstellen und die Quinoa-Milch sogar in Backversuchen, z. B. in Hefezöpfen, einsetzen konnte.


Die Maturarbeit von Felix kann hier als PDF heruntergeladen werden.


Vom Forschungsprojekt zur Praxis: Ein Tag mit dem Ökozentrum

Als Teil des Sonderpreises von Schweizer Jugend forscht hatte ich die Möglichkeit, das Ökozentrum einen Tag lang zu begleiten – ein wertvoller Einblick in die Bildungs rund um Nachhaltigkeit.

Der Tag begann in einer Aargauer Schule, wo Workshops stattfanden, die Kindern und Jugendliche auf spielerische Weise globale Zusammenhänge näherbrachten. Besonders beeindruckte mich das Modul "Plenty of fish: Ressourcen & Klima", das zeigte, wie wichtig gemeinsames Handeln und internationale Regeln für eine nachhaltige Nutzung von Ressourcen sind. Die Schüler:innen untersuchten zudem die Rohstoffe eines Smartphones und lernten das Fairphone als alternative, fairere Option kennen. Was mich dabei faszinierte: Wie schnell Kinder Zusammenhänge verstehen – und wie offen sie gegenüber Lösungen sind.

Am Nachmittag führte der Weg nach Bern zu einer Veranstaltung für Führungskräfte, Mitarbeitende und Lernende. Ziel war es, Nachhaltigkeit im beruflichen Alltag greifbar zu machen.

Ein Satz blieb mir besonders hängen:

Nachhaltigkeit soll nicht gepredigt, sondern gelebt werden.

Führungskräfte tragen eine Vorbildrolle, doch jeder Mensch – unabhängig von Beruf oder Hierarchie – kann nachhaltig handeln. Entscheidend ist, nicht zu warten, bis alle mitziehen. Veränderungen entstehen durch faktenbasiertes, transparentes Handeln und durch das Bewusstsein, dass jeder Schritt zählt.


Was bleibt

Die Maturaarbeit über Quinoa, mein Praktikum und der Tag mit dem Ökozentrum haben mir gezeigt, wie eng Wissenschaft, Bildung und gesellschaftlicher Wandel miteinander verbunden sind. Forschung kann neue Lösungswege aufzeigen – wie ein regional produzierter Quinoa-Drink. Bildung wiederum sorgt dafür, dass diese Lösungen verstanden, weiterentwickelt und getragen werden.

Nachhaltigkeit ist kein Ziel, das man einmal erreicht. Sie ist ein Prozess, der Mut, Kreativität und Zusammenarbeit braucht. Und genau darin sehe ich heute meine Motivation weiterzumachen – Schritt für Schritt, aber konsequent.



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