Planung einer Wildpflanzenrabatte
- Sophia Röösli
- vor 6 Stunden
- 3 Min. Lesezeit
Seit über fünf Jahren beschäftige ich mich mit der Gründung eines öffentlichen Gemeinschaftsgartens in der Gemeinde Lyss. Der Ursprungsgedanke war: Warum findet mein Sozialleben immer an anderen Orten statt als dort, wo ich wohne?
Der Grund dafür liegt in den wenigen konsumationsfreien und öffentlich zugänglichen sozialen Räumen von Lyss. Menschen suchen nach genau solchen Treffpunkten, insbesondere die Jugend ist darauf angewiesen. Auf die Veränderung zu warten, merkte ich, ist sinnlos; an dieser Veränderung muss ich mich aktiv beteiligen. Lebendige urbane Räume entstehen, wenn Leute einfach machen, loslegen, gestalten und wagen. Also legte ich los.
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Vielleicht war ich schon immer eher eine Person, die probiert als lange abwägt. Im Verlaufe meiner Freiwilligenarbeit habe ich festgestellt, es gibt Menschen, die gerne anreissen und andere, die lieber mitmachen, wenn schon was angerissen wurde, und beide sind für das Gelingen eines Projektes unerlässlich.
Die Vielfalt der Menschen macht das Projekt reich, macht es wertvoll.
Diese Erfahrungen lehrten mich, das Potenzial von anderen Meinungen und Ansichten zu erkennen. So suchte ich aktiv das Gespräch mit Menschen, die vordergründig eine andere Einstellung und Lebensansicht vertraten als ich, so auch mit anderen politischen Einstellungen. Ich wollte ihre Motivation, ihre wirklichen Bedürfnisse und Beweggründe für ihr Handeln und Denken verstehen. Dabei stellte ich fest, dass wir im Grunde sehr ähnliche Wünsche und Ängste in uns tragen. Jedoch andere Lösungen dafür gesucht und gefunden haben.

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Ein Erlebnis, welches mir sehr geblieben ist, möchte ich Ihnen hier kurz schildern:
Ich war in einem Gespräch mit einem jungen Politiker. Wir sprachen über meine Motivation einen Gemeinschaftsgarten im Zentrum von Lyss zu gründen.
Er konnte erst nicht verstehen, wieso mir dieses Projekt relevant scheint. Ich versuchte, ihm anhand eines einfachen Bildes, meine Motivation näherzubringen:
Stelle dir vor, du hältst in jeder Hand ein Häufchen Erdboden; der eine zerrinnt zwischen den Fingern, ist staubig und leblos, in der anderen Hand winden sich Regenwürmer, die Erde ist dunkelbraun-krümelig und riecht nach frischem Waldboden.
Spannenderweise stimmte er mir zu, dass sich der lebendige Erdboden wohltuender und schöner anfühlt, er hatte sich diese Frage aber noch nie gestellt. Ich erklärte ihm, dass ich dafür sorgen wolle, dass unsere Böden wieder voller Leben sind, damit sie auch uns wieder lebendigere Lebensmittel schenken.
Wir schauten uns einen Moment verständig an. Einen Augenblick lang waren wir nur zwei Menschen auf dieser Erde, die spürten, auf was es vielleicht wirklich ankommt.
Diese Brücken sind das, wofür ich meine Arbeit tue. Verbindungen und Verständnis aufbauen zwischen unterschiedlichen Ansichten, das finde ich sinnvoll. Ich bin überzeugt davon, dass wir unsere Probleme der heutigen Zeit nur lösen können, wenn wir anfangen, im Kleinen die Fronten aufzuweichen; wenn wir lernen zu schauen, was uns verbindet und nicht was uns trennt.
Nebst den oft fehlenden Gesprächen zwischen den Fronten, mangelt es aus meiner Sicht auch an der Vorstellungskraft. Wir haben die Welt, die in Verbundenheit lebt, noch nicht sichtbar gemacht. Schlimmes, Skandale, Kriege, Leid und Angst erhalten mehr Beachtung. Ich denke, wir müssen anfangen, Realitäten zu schaffen, damit wir eine gemeinsame Sprache finden, gemeinsame Bilder in uns tragen.
Ich erlebe viele Menschen sehr pessimistisch denkend. Wo bleiben die guten, schönen wohltuenden News?
Es gibt so viele Menschen auf dieser Erde, die Gutes tun. Die genau an dieser Welt arbeiten, die die Einzige ist, die auf längere Sicht unser Überleben sichert.
Es ist eine Bewegung der Schaffenden, nicht der Lauten. So möchte auch ich mit dieser Rabatten-Umgestaltung ein kleines Puzzleteil zu dieser Bewegung beitragen.
Einfach eine schöne, naturnahe Grünfläche machen und zum besseren Verständnis beschildern. Und wenn sich auch nur eine Person davon anstecken lässt, ist dies schon ein Mensch mehr, der zur Heilung unserer Erde beiträgt. Und das ist der Aufwand wert. Danke.
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Das Hauptanliegen des Gemeinschaftsgarten «Kulturgarten Lyss» ist, Verbindung zu ermöglichen. Hier erhalten Sie einen kleinen Einblick in unser Schaffen:


