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  • Nele Tams

Rettung oder Untergang?

Ich habe mich in meiner Maturaarbeit mit dem Klimaschutzverhalten von Kanti-Schülern*innen beschäftigt. Ich wollte untersuchen, welche Faktoren einen Einfluss auf die Umsetzung respektive Nichtumsetzung von Klimaschutzmassnahmen haben. Dabei habe ich ihre Zukunftsvorstellungen, die Informationsquellen, die sie nutzen, ihre politische Meinung und ihre Emotionen untersucht.

Ich war über das Ergebnis meiner Untersuchung überrascht. Letztlich geht es viel um Gefühle und persönliche Beziehungen, die unser Verhalten massgeblich beeinflussen. Wenn wir dies für die Zukunft berücksichtigen, können wir gemeinsam viel erreichen.


Ich beschäftige mich seit ich 15 Jahre alt bin mit dem Klimawandel. Schon früh habe ich mich immer stark für Tiere und Pflanzen interessiert und habe mir Sorgen gemacht, weil ich wusste, dass nach und nach die Populationen von gewissen Arten immer kleiner werden und sie teilweise sogar aussterben. Als in der Bezirksschule der Klimawandel zum ersten Mal behandelt wurde, habe ich mich stark dafür interessiert, denn die Sorgen und Ängste, die ich hatte, wurden mit einem Phänomen zusammengefasst und erklärt. Ich habe immer sehr viele Emotionen mit dem Klimawandel in Verbindung gebracht: Angst, Hoffnungslosigkeit, Wut, Verzweiflung und Schuldgefühle. Das waren dabei die stärksten. Gefühle.


Ich hatte grosse Mühe, mit diesen Emotionen klarzukommen und die einzige Möglichkeit, um mich besser zu fühlen, war es, etwas gegen die Ursache des Problems zu tun, den Klimawandel. Ich habe aufgehört, Fleisch zu essen, habe mein Konsumverhalten eingeschränkt, bin zu Demos gegangen, bin den Jungen Grünen beigetreten und habe beim Klimastreik Schweiz mitgearbeitet. Es ist für mich immer sehr schwer nachzuvollziehen, wieso andere Menschen nicht den gleichen Drang haben, etwas gegen den Klimawandel zu unternehmen. Vor allem bei Menschen aus meinem Umfeld, hat es mich immer sehr getroffen, wenn ich gemerkt habe, dass sie meine Ängste nicht nachvollziehen konnten.


Die Fakten, die die Wissenschaft bereitstellt, sind so eindeutig, dass es keinen Zweifel an der Existenz des Klimawandels geben dürfte. Ausserdem hat die Wissenschaft bereits unzählige Strategien vorgestellt, wie wir den Klimawandel aufhalten können.


Wenn uns eigentlich allen bewusst sein sollte, wie es um die Zukunft des Planeten steht und wie wir sie positiv beeinflussen können, wieso tun wir dann nichts? Wieso ist den Bewohnern der Erde ihre Zukunft und die des Planeten scheinbar so egal? Diese Fragen haben mich so beschäftigt, dass ich beschlossen habe, sie zum Thema meiner Maturaarbeit zu machen.

Ich habe für meine Arbeit qualitative Interviews mit 10 Personen durchgeführt. Die Analyse der Daten aus den Interviews hat ergeben, dass die persönlichen Zukunftsvorstellungen die Umsetzung von Klimaschutzmassnahmen genauso beeinflussen wie gewisse Emotionen. So bringen Wut, Mut und Angst die Schüler*innen dazu, aktiv zu werden, wohingegen Traurigkeit und Resignation dafür sorgen, dass sie untätig bleiben. Da an Kantonsschulen Grundkenntnisse zum Klimawandel im Unterricht vermittelt werden, hatten alle Schüler*innen ausreichende Kenntnisse über den Klimawandel. Ob und wie es sich auswirkt, wenn diese Kenntnisse nicht vorhanden sind, konnte ich mit meinen Befragten nicht untersuchen. Es ist aber sicher wichtig, dass dieses Grundwissen durch die Schule vermittelt wird.


Ich habe meine Interviewpartner*innen auch direkt gefragt, wieso sie gewisse Massnahmen umsetzen und andere nicht. Dabei hat sich abgezeichnet, dass ihre Gewohnheiten und das soziale Umfeld - wie die Familie oder Freunde - einen sehr grossen Einfluss auf die Umsetzung der Massnahmen haben.


Neben den festgestellten Ergebnissen in meiner Maturaarbeit, gab es noch eine weitere Erkenntnis, die ich dabei mitgenommen habe. Meine Interviewpartner*innen verhielten sich alle unterschiedlich im Zusammenhang mit dem Klimawandel. Einige setzten bereits sehr viele Massnahmen um, wohingegen andere noch fast nichts für den Klimaschutz unternommen hatten. Durch die langen Gespräche, die ich mit ihnen führen durfte, habe ich gemerkt, dass wir beim Klimaschutz nicht alle Menschen mit dem gleichen Massstab messen dürfen. Jeder Mensch ist anders, hat andere Werte und diese beeinflussen sein Verhalten enorm. So fällt es manchen leicht, auf Fleisch zu verzichten, anderen fällt das aber unendlich schwer. Wenn wir dafür sorgen wollen, dass mehr Klimaschutzmassnahmen im Alltag umgesetzt werden, müssen wir jeden Menschen individuell abholen - wo er gerade steht. Es ist wichtig, sich ins Bewusstsein zu rufen, dass der Weg zu klimafreundlicherem Verhalten bei allen anders aussieht und dass Fortschritte gebremst werden könnten, wenn der eigene Weg verurteilt wird. Wir müssen auf die Ängste und Bedürfnisse jedes einzelnen eingehen, wenn wir wollen, dass er oder sie sein / ihr Verhalten ändert.


Es fällt mir heute leichter zu verstehen, wieso manche Leute nicht gleich viel für den Klimaschutz tun wie ich. Ich habe gelernt, deswegen nicht frustriert oder wütend zu werden, sondern zu hinterfragen, aus welchen Gründen sie sich so verhalten und wie ich ihnen vielleicht helfen kann, das zu verändern.

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