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Weisse Pisten, graue Aussichten: Schweizer Skitourismus zu Zeiten des Klimawandels

  • Clara Bachmann
  • 25. Feb.
  • 3 Min. Lesezeit

Ausgangslage

Mit der zunehmenden Intensität der Auswirkungen des Klimawandels weltweit (z.B. steigende Temperaturen, abnehmende Schneesicherheit) stehen Skigebiete auf der ganzen Welt vor einer ernsthaften wirtschaftlichen und touristischen Herausforderung. Die nachfolgende Abbildung 1 zeigt, dass Skigebiete in den Alpenländern 40% der weltweiten Ski-Destinationen ausmachen, weshalb diese Region besonders anfällig für schwere wirtschaftliche Einbussen sein könnte.



Wegen des immer präsenter werdenden Klimawandels müssen die (Schweizer) Skigebiete mit Anpas-sungsstrategien reagieren. Dies führt zu einem enormen Aufschwung in der Kunstschneeproduktion wie ersichtlich in der nächsten Abbildung.



Heutzutage sind mehr als 54% der Schweizer Skigebiete durch Schneekanonen abgedeckt. Eine weitere Erhebung von Daten durch die SBS betrifft die Schneehöhe. Dabei fällt auf, dass jene Skigebiete, welche dazu Daten liefern, nicht zwischen Natur- und Kunstschnee differenzieren. Dies weist darauf hin, dass diese Differenzierung als nicht notwendig erachtet wird, obwohl Wasser heutzutage eine Schlüsselfigur für die Erhaltung des Skitourismus ist.


Herausforderungen

Um die Pisten grossflächig weiss zu halten, fliesst nebst Unmengen an Strom (siehe untenstehende Abbildung) laut Seilbahnen Schweiz (SBS) rund 13 Milliarden Liter Wasser pro Wintersaison in die Kunstschnee-produktion. Obwohl der Grossteil des Wassers zurück zum Berg geführt werden sollte, kann dies nicht zu 100% überprüft werden. Gemäss WWF sollen «einige Flüsse in den Alpen schon bis zu 70% weniger Wasser als vor Einführung der Schneekanonen führen.» Die chemische Zusammensetzung des dichteren Kunstschnees hält zudem mehr Sauerstoff zurück als natürlicher Schnee, was die Vegetation ebenfalls beeinträchtigt. Des Weiteren beeinflusst der beliebte Wintersport die Biodiversität auf negative Art und Weise. Nebst den Bergstrassen, welche kontinuierlich neu asphaltiert und in Stand gehalten werden, wird der Flora und Fauna auch dort Land entzogen, wo heute Hotels und Unterhaltungszentren aufgebaut werden.



Und was wird aus der Zukunft?

Variante 1 – Extremansatz: Es gibt einige Möglichkeiten, um die Konsequenzen des Klimawandels im Rahmen des Skitourismus auf nachhaltigere Art und Weise zu minimieren. Zum einen bestünde die (extreme) Alternative, die Skilifts und somit auch den Skitourismus stark zu reduzieren, wobei Sportarten wie Wandern oder Skitouren durch Werbung gefördert werden könnten. Hierdurch würde weniger Strom in die Kunstschneeproduktion gesteckt. Jedoch wäre der Sport- und Tourismusbetrieb vom Naturzustand abhängig und somit limitiert. Stark reduzierter Skitourismus (in der Schweiz) könnte langfristig die Rückkehr der regionalen Flora und Fauna, welche die Schweiz auch als «Global Sustainable Player» krönen könnte.

Variante 2 – Überwachung des Ressourcenverbrauchs: Weniger extreme Alternativen können bereits bei der Kontrolle der Nutzung des Frischwassers für Kunstschnee oder der Messung des Stroms ansetzen. Hierbei könnten eidgenössische Verantwortliche des UVEK den Ressourcenverbrauch der Skigebiete kontrollieren und das Umsetzen von spezifischen Nachhaltigkeitszielen bezüglich der Skitourismusbranche fördern.

Variante 3 – Jeder kann seinen Beitrag leisten: Das bewusste Konsumverhalten jedes Menschen kann ebenfalls einen kleinen Mehrwert erbringen – so auch im Skitourismus. Sowohl der Kauf von langlebiger Skiausrüstung als auch das nachhaltige Anreisen mittels öffentlichen Verkehrs agieren als kleine Schritte innerhalb der komplexen Auseinandersetzung mit einer ökologisch nachhaltigeren Gestaltung des Skitourismus in der Schweiz.


Fazit

Dass wir heute den Skitourismus auf Kosten von zukünftigen Generationen geniessen, müsste allen Konsumierenden heute einleuchten. Durch den Klimawandel werden Skigebiete weiter unter Druck gesetzt, wobei Kunstschnee nicht als langfristige Lösung betrachtet werden darf. Mögliche Anpassungen wie beispielsweise eine Neustrukturierung des touristischen Angebotes (mehr Wanderwege, Förderung der ÖV-Nutzung, etc.) in den Bergen könnten als Alternative und/oder Ergänzung unterstützt und zugänglicher gestaltet werden.  Zusammenfassend ist es wichtig, sich dessen bewusst zu sein, dass wir die Verantwortung tragen, unser Verhalten zu hinterfragen, bevor der Schnee von morgen endgültig geschmolzen ist.


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