Zwischen Realität und Zeichnung
- Lucia Zemp
- vor 5 Stunden
- 2 Min. Lesezeit
Auf den Spuren meiner Graphic Novel im Nationalpark Doñana
Als ich im goldenen Licht des andalusischen Morgens in den Nationalpark Doñana fuhr, war es, als würde ich in die Welt meiner eigenen Zeichnungen eintreten. Seit zwei Jahren beschäftige ich mich mit den ökologischen und sozialen Folgen des Beerenanbaus rund um den Nationalpark Doñana im Süden Spaniens. Auch meine Maturarbeit – eine Graphic Novel mit dem Titel Los Espejos Perdidos („Die verlorenen Spiegel“) – widmet sich Doñanas Schicksal und gewann in diesem Jahr den Wegweiser Ethics Award. Nun stand ich zum ersten Mal selber in dieser Landschaft, die mich über so lange Zeit begleitet hatte.
Trügerische Schönheit
Unser Tagesausflug startete in Sevilla. Früh am Morgen holte uns unser Tourguide Luismi ab, um die zweistündige Fahrt in den Westen Andalusiens anzutreten. Zunächst war die Fahrt ein Wechselspiel aus Nebel, Olivenhainen, Hügeln und kleinen Dörfern. Doch je näher wir Huelva kamen, desto stärker veränderte sich die Landschaft. Zwischen Wäldern und Feldern tauchten plötzlich endlose Reihen weißer Folientunnel auf. Erdbeerplantagen, soweit das Auge reichte.
Im Herzen des Nationalparks
Als wir den Eingang zum geschützten Teil Doñanas erreichten, wurde die Luft kühler und feuchter. Eine seltsame Stille lag in der Luft, nur unterbrochen vom Ruf verschiedener Vogelarten. Wir stiegen in einen Jeep um, der uns tiefer in das Schutzgebiet brachte. Luismi erzählte von den Wildpferden, die hier seit Jahrhunderten leben, von Zugvögeln aus Afrika und von den Luchsen, die kaum mehr zu sehen sind. Er sprach über die Konflikte zwischen Mensch und Natur, über die Spannung zwischen Schutz und Nutzung. Unser Weg führte durch Pinien- und Korkeichenwälder, über Sanddünen, vorbei an weiten Feldern und Lagunen. Trotz der Warnschilder an den Straßenrändern sahen wir nur wenige Tiere, denn nach den Wochenenden mit vielen Touristen ziehen sie sich meist zurück.
„Die grösste Gefahr für Doñana ist nicht der Klimawandel. Es ist die Tatsache, dass der Nationalpark langsam in Vergessenheit gerät.“
Ich notierte mir Luismis Satz. Er klang wie eine Zeile aus meiner Graphic Novel, nur dass es diesmal kein Panel war, sondern Realität.
Ein Tag, der bleibt
Als wir den Nationalpark verliessen, führte unser Weg weiter Richtung Atlantik, nach Matalascañas. Später machten wir Halt in El Rocío, einem Ort, der wirkt, als wäre er aus einer anderen Zeit gefallen. Sand statt Asphalt, weisse Häuser mit Holzgalerien, Pferde vor den Türen und die berühmte Wallfahrtskirche. Es roch nach Staub, Leder und Orangenblüten. Luismi erzählte, dass jedes Jahr Hunderttausende Menschen zu Ehren der Virgen del Rocío hierher pilgern. Am Abend machten wir uns voller Eindrücke und Gedanken auf den Rückweg. Es war ein sehr bereichernder Tag, der uns sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben wird.








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